Heidi Janetzky Kurse Workshops Events Laughtertainment

Biografische und kreative Texte
Ankunft
Alarm im Zweiminutentakt
nicht länger schützen will der Leib die Frucht
zum Bersten prall gefüllt der Bauch
nahrhafte Höhle noch
dem ungeborenen Wesen
gleich einer Frühlingsblume strebt es
aus dem Dunkel in das Licht
umspült von einem Meer aus Tönen
in Wellen hoch und tief
ein Happening aus Schmerz und Freude
mit Wucht zerstört es fast den Damm
Gesang verwandelt sich in Schrei
aufgeben will die Leben schenkende
der Atem rennt ihr schon davon
nicht mehr aufzuhalten ist der Wicht
ein letzter eruptiver Stoß
ein Schrei ganz zart zerreißt die Luft
verbindet sich mit einem Lachen
zwei Leben – jetzt getrennt
und doch vereint für immer
2007
(veröffentlicht 2007 in "BIBLIOTHEK DEUTSCHSPRACHIGER GEDICHTE X")

Winterkind
Als ich geboren wurde, war der Friede im achten Jahr, das große Deutschland zerrissen in zwei Teile. Das Schicksal wollte es, dass ich im Osten des zerstückelten Landes das Licht der Welt erblickte. Im Osten geht die Sonne auf. Sie bringt den Menschen Licht und Wärme nach dunkler, kalter Nacht...
Es war das Jahr, in dem Stalin starb und Millionen Menschen in aller Welt um den "großen Führer der Sowjetunion", um "Väterchen Stalin", trauerten. Noch wusste niemand von den Millionen Toten unter seiner Herrschaft.
In welch ein Jahr bin ich hineingeboren?! Nicht einmal drei Monate nach Stalins Tod legten die Bauarbeiter der Berliner Stalinallee die Arbeit nieder. Warum, das konnte ich damals nicht wissen. Ich schlief fiedlich in mein Leben hinein, so friedlich wie es ein vier Monate altes Baby normalerweise tut. Stalin und die Stalinallee waren weit entfernt. Ich protestierte nur, wenn ich nicht schnell genug mein Fläschchen bekam...
(Beginn meiner "Geschichte meines Lebens"/ 2004)

K R Y P T I C H O N
zu
Morgen
M it M anfred
O liven O rdnet
R utschen R eginas
G räten G arderobe
E infacher E msig
N unter N eu
L I M E R I C K S
Unsre kleine süße Katze Der hiesige Dorfpolizist
frisst täglich an meiner Matratze sitzt gern auf dem Mist
dann tanzt sie durchs Haus dort trinkt er sein Bier
fängt abends ne Maus und grunzt wie das Tier
setzt diese als Dank auf meine Glatze das er zum Biere isst.

©Heidi Janetzky